Euro oder Teuro?

Ein paar Worte zur Preisgestaltung im Zusammenhang mit der Währungsumstellung

06.06.2002 Die letzten Wochen gab es heftige Meldungen in den Medien, Handel und Dienstleistungsgewerbe hätten die Währungsumstellung benutzt, um kräftige Preiserhöhungen durchzusetzen. Jeder kennt sicher ein Beispiel dafür.

Andererseits melden die dafür zuständigen Behörden keinen besonderen Anstieg der Preise.

Was ist denn da wahr?

Wie so meist liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Es gibt die Abzocker, und es gibt auch eine Menge seriöser Geschäfte, die ganz korrekt umrechnen und auch ihr Preisgefüge auf dem Niveau wie vorher halten.

Wir zählen uns zur zweiten Kategorie. Alle Preise wurden mit dem korrekten Faktor von 1,95583 umgerechnet, viele „krumme“ Preise in unserem Haus geben Zeugnis dafür. Bei neu eingetroffener Ware halten wir uns an die von den Lieferanten empfohlenen Verkaufspreise. Oft sind unsere Preise auch niedriger. Sie werden bei uns keine Preise über den empfohlenen Verkaufspreisen finden.

Das hat einen einfachen Grund:

Eine große Menge unserer Kunden sind Stammkunden, die wir in jahrelanger Arbeit für unser Geschäft gewonnen haben und sicher nicht wegen kurzfristiger Gewinnerhöhungen verärgern wollen. Viele Läden wären froh, sie hätten solch ein stabiles Kundenpotential. Unser Geschäft lebt davon, dass zufriedene Kunden beim nächsten Kauf wieder zu uns kommen und uns auch weiterempfehlen. Da verbieten sich schlitzohrige Preistricks von selbst.

Auf der anderen Seite müssen wir aber auch feststellen, dass von der Lieferantenseite her die Preise im letzten Jahr teilweise ordentlich gestiegen sind. Im Schuhbereich sind es stark gestiegene Lederpreise durch geringeren Fleischkonsum wegen BSE, im Bekleidungs-und Rucksackbereich gestiegene Kosten durch den die letzten Jahre steigenden Dollarkurs. Dadurch sind schon im Jahre 2001 die empfohlenen Verkaufspreise teilweise gestiegen.

Fazit: Es gibt in Teilbereichen Preiserhöhungen im Vergleich zum Vorjahr in unserer Branche. Diese sind aber meist nicht auf unseriöse Umrechnungsspielereien mit dem Euro zurückzuführen, sondern wären ohne Euro sicher auch passiert. Aber dergleichen differenzierte Betrachtungen passen nicht in reißerische Zeitungsartikel zum Thema (T)euro. Da muss erstmal dick aufgetragen werden, sonst liest es keiner. Der 1:1 umgerechnete Salatkopf und das doppelt so teure Schnitzel machen sich halt schon besser als qualifizierte Betrachtungen über das Entstehen von Preisen. Nicht, dass es diese „Umrechnungen“ nicht gäbe, aber der Regelfall sind sie wohl nicht.

Und die Läden, die massiv an Preistreibereien mitspielten, werden sich wohl darauf einrichten müssen, dass sie Kunden verlieren. Es gibt überall Konkurrenz. Wir raten den Kunden: Vergleichen Sie die Preise und meiden Sie Wucher. Dann werden sich Preistreiber bald mit stark rückläufigen Umsätzen abfinden müssen. Wir denken, dass wir da nicht dazugehören.



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